Der Silken-Windsprite

Der Silken Windsprite ist ein sensibler, freundlicher und ausgesprochen sozialer Hund. Er verbindet die Eleganz und Aufmerksamkeit eines Windhundes mit einer bemerkenswerten Alltagstauglichkeit. Gegenüber seiner Familie zeigt er sich anhänglich, loyal und feinfühlig, ohne aufdringlich zu sein. Viele Silken Windsprites suchen bewusst die Nähe ihrer Menschen und geniessen ruhige Momente ebenso wie gemeinsame Aktivitäten.

Im Umgang mit anderen Hunden ist der Silken Windsprite in der Regel offen, verspielt und konfliktarm. Sein Wesen ist ausgeglichen, wachsam, aber nicht nervös. Fremden gegenüber begegnet er meist zurückhaltend, dabei freundlich und interessiert.

Typisch für die Rasse ist der Wechsel zwischen sanfter Ruhe im Haus und lebendiger Freude an Bewegung im Freien. Der Silken Windsprite liebt Spaziergänge, gemeinsame Ausflüge und freie Bewegung, zeigt sich dabei jedoch gut ansprechbar und angenehm im Alltag. Seine feine Wahrnehmung macht ihn zu einem besonders empathischen Begleiter.

Hier findest Du eine chronologisch, kynologische Zusammenstellung über die Rasse


Ganz wichtig: Unter dem Begriff Silkenwindsprite werden in Europa oft zwei nahe verwandte, aber historisch unterschiedlich entstandene Linien/Themen vermischt:

  1. Silken Windsprite / (Longhaired) Windsprite = die Linie um Walter A. Wheeler Jr. (USA), ursprünglich als „Longhaired Whippet“ bekannt. 
  2. Silken Windhound = die moderne US-Rasse um Francie Stull (Kristull), die u.a. Wheeler-Hunde (Windsprite-Linie/Lurcher) in der Gründungsphase einbezog. 

1950er bis 1970er: Start des „Windsprite“-Zuchtprogramms (Wheeler)

Weehler und altes Bild niederländischer Maler

ab ca. 1958: Whippetzüchter Walter A. Wheeler Jr. startet unter dem Zwingernamen „Windsprite“ ein Programm mit dem Ziel, kleine bis mittelgrosse, langhaarige Windhunde zu rekonstruieren. Inspiration lieferten Darstellungen auf niederländischen Gemälden des 15./16. Jahrhunderts, die auf einen eleganten, heute nicht mehr vorhandenen Windhundtyp hindeuten.

1955–1975: (so wird es u.a. zusammengefasst): In Wheelers Whippet-Zucht tauchen vermehrt langhaarige Hunde auf; sie wurden zunächst teilweise noch als Whippet registriert, was später zu zuchtbuchrechtlichen und kynologischen Konflikten führte.

Kynologischer Kernpunkt: Zieltyp war Whippet-ähnlich (Grösse/Format), jedoch mit seidiger Befederung (lange, feine Behaarung), ohne die Funktionalität und Eleganz des Windhundes zu beeinträchtigen.


Ab 1975 / 1980er: Parallel entsteht der Silken Windhound (Stull/Kristull)

seit 1975: Francie Stull (Borzoi-Züchterin) sucht konzeptionell nach einem kleineren, langhaarigen Windhund als Zweitrasse. 

frühe 1980er: Aufbau der Gründungszucht, u.a. mit einer Borzoi-Hündinlinie (Stillwater) und der Verpaarung, die in den Quellen als grundlegend beschrieben wird (u.a. Stillwater Kristull Peacock x Windsprite Autumnal Xenon). 

1985: Der Silken Windhound gilt als „angekommen“/etabliert mit dem „D“-Wurf (whelped 1985). 

Was wurde gekreuzt (Silken Windhound, fachlich nach Vereins-/Standardquellen)?

Zur oft diskutierten Frage „direkter Borzoi x Whippet“: Es gibt eine Quelle aus einem Stull-Vortrag, die betont, dass es keinen direkten Borzoi-Whippet-Cross in der Entstehung gegeben habe. 

Gründungsbestand kombinierte Borzoi-Linien, eine mehrgenerationige Linie kleiner whippetbasierter Lurcher sowie Whippets (Show- und Coursinglinien). 

Der US-Clubtext sagt explizit: Stull kreuzte kleine Lurcher aus Wheelers Windsprite-Kennel in ihre Borzoi ein; später kamen weitere Borzoi und Whippets dazu. 


1981–1987: Organisation, Standard, Export nach Europa (Wheeler-Linie)

1981: Mit der Gründung der Longhaired Whippet Association (LWA) schufen Walter A. Wheeler Jr. und Mitstreiter erstmals eine formale Struktur für die Zucht langhaariger, whippetähnlicher Windhunde. Ziel war es, einen einheitlichen Typ zu definieren und die Eigenständigkeit dieser Hunde gegenüber dem klassischen Whippet festzuhalten.

1982: Im Zusammenhang mit einer Untersuchung des American Whippet Club wurden mögliche Einkreuzungen, insbesondere mit Shetland Sheepdogs, diskutiert. In der Folge wurden langhaarige Hunde aus dem AKC-Whippetzuchtbuch entfernt. Dieser Schritt gilt als zentraler Wendepunkt in der Geschichte der Longhaired-Whippet-Linie.

1986: Die LWA veröffentlichte einen frühen Rassestandard, der erstmals verbindlich Erscheinungsbild und Wesen beschrieb. Festgelegt wurde ein eleganter, mittelgrosser Windhund mit whippettypischem Körperbau und seidigem, mittellangem Fell. Der Standard diente vor allem als Leitlinie für eine kontrollierte Weiterzucht.

1987: Mit den ersten Importen nach Europa begann die internationale Verbreitung der Linie. Diese frühen Hunde bildeten die Grundlage für die spätere Etablierung des Silken Windsprite im europäischen Raum.


1998–2000: Offizielle Namensgebung und Zuchtbuchführung (Silken Windhound)

  • 1998: Der Name „Silken Windhound“ wird offiziell angenommen. 
  • 1999: Gründung/Charter der International Silken Windhound Society (ISWS); sie führt Pedigrees und DNA-verifizierte Registrierungen. 
  • 2000: In Zusammenfassungen wird erwähnt, dass die Studbooks „geschlossen“ wurden (mit begrenzten, kontrollierten Diversitätsprojekten). 

2004–2011: Verbreitung und Anerkennungen (Silken Windhound, UKC etc.)

  • 2004: ISWS-Timeline nennt u.a. internationale Schritte (z.B. erste Exporte; auch erste Einfuhr in die Schweiz wird für 2004 erwähnt). 
  • 18.03.2011: United Kennel Club (UKC) erkennt den Silken Windhound an (Breed Standard als UKC-Dokument). 

2001–2017: Namens- und Organisationsschritte bei der Windsprite/Longhaired-Whippet-Linie

  • 2001: Gründung International Longhaired Whippet Club (ILWC); in Deutschland wird um 2001 ein früher Import und der Name „Silken Windsprite“ als klare Abgrenzung zum Whippet betont. 
  • 29.10.2014: Der Silken Windsprite wird laut Clubseite vom VDH national anerkannt. 
  • 01.01.2017: Laut Clubseite heisst die Rasse in USA und Kanada offiziell „Windsprite“; der ILWC wird zu International Windsprite Club (IWC) umbenannt. 

Abstammung „Silken Windsprite“: Was gilt als gesichert, was ist Interpretation?

Gesichert in den vorliegenden Quellen (als Aussage-Lage):

  • Mehrere Vereins-/Infotexte und Zusammenfassungen nennen Whippet + Shetland Sheepdog (Sheltie) als zentrale Grundlage; teils wird Borzoi zusaetzlich genannt. 
  • Der deutsche Windhundverband-Text verortet den Typ klar whippetnah und führt Wheeler als Gründer mit Zuchtziel seit 1958. 

Kynologische Einordnung:

  • Für die Windsprite/Longhaired-Whippet-Linie ist der historische Streitpunkt: Wheeler bestand auf „Whippets mit rezessivem Langhaar-Gen“, während spätere Bewertungen/Untersuchungsnarrative von Einkreuzungen (insb. Sheltie) ausgehen. 
  • Für den Silken Windhound ist die Gründungslinie in den Standard-/Clubquellen explizit als Mix aus Borzoi-Linien + whippetbasierter Lurcher-Linie + Whippets beschrieben; und es wird zusätzlich genetisch Collie/Sheltie-Einfluss diskutiert (über die Wheeler-Hunde).
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